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Buchpräsentation & Gespräch
Unsilencing. The History and Legacy of the Bulgarian Gulag
mit Lilia Topouzova und Kate Connolly

Mittwoch, 1 Juli 2026, 19 Uhr
Between Bridges / Ursuppe
Adalbertstraße 43, 10179 Berlin
(Eingang via Adalbertstr. 44)

Die vielfach ausgezeichnete bulgarisch-kanadische Wissenschaftlerin, Filmemacherin und Künstlerin Prof. Lilia Topouzova stellt am 1. Juli um 19:00 Uhr (Einlass ab 18:30 Uhr) bei Between Bridges / Ursuppe ihr neues Buch Unsilencing vor. Die Veranstaltung umfasst ein Gespräch mit Kate Connolly (The Guardian) sowie eine Publikumsdiskussion. Der Eintritt ist frei, die Zahl der Plätze ist begrenzt. Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt.


Unsilencing ist die erste umfassende Studie über die bulgarischen Zwangsarbeitslager – ein System politischer Repression, das die gesamte kommunistische Herrschaft von 1945 bis 1989 begleitete. Lilia Topouzova macht die lange verdrängte Geschichte dieser Lager sichtbar, die häufig als das „kleine Sibirien“ Bulgariens bezeichnet wurden. Tausende Menschen wurden dort ohne Gerichtsverfahren inhaftiert, unmenschlichen Bedingungen ausgesetzt und über Jahrzehnte hinweg zum Schweigen gebracht.

Auf der Grundlage von zwanzig Jahren Archivrecherche, Oral-History-Interviews mit Überlebenden und ehemaligen Tätern sowie einer Vielzahl von Primärquellen rekonstruiert Topouzova die erschütternde Realität des Lageralltags. Sie zeigt, wie das kommunistische Regime die Lager gezielt einsetzte, um politische Gegner zu unterdrücken, Minderheiten zu verfolgen und Angst in der Bevölkerung zu verbreiten. Anhand zentraler Lagerstandorte wie Belene und Lovech zeichnet Unsilencing die Gewalt und Entbehrungen nach, denen die Gefangenen ausgesetzt waren, und beleuchtet die tiefen Spuren, die diese Orte bis heute in der bulgarischen Gesellschaft hinterlassen haben.

Doch Unsilencing ist mehr als eine historische Untersuchung. Das Buch richtet den Blick auch auf die Zeit nach 1989 und fragt, wie Bulgarien mit diesem schwierigen Erbe umgegangen ist – oder oft eben nicht umgegangen ist. Topouzova analysiert die Bemühungen um Aufarbeitung und Übergangsjustiz, darunter die kurzlebige Wahrheitskommission und Gerichtsverfahren gegen Verantwortliche des Regimes. Sie kommt zu dem Schluss, dass das Erbe der Lager weitgehend verdrängt und bewusst verschleiert wurde. Dadurch entstand eine Leerstelle im kollektiven Gedächtnis des Landes, deren Auswirkungen auf Gesellschaft und Politik bis heute spürbar sind.


Lilia Topouzova ist Associate Professor für Geschichte und Creative Nonfiction an der University of Toronto. Sie schrieb das Drehbuch zu The Mosquito Problem & Other Stories, ist Autorin und Co-Regisseurin von Saturnia sowie Mitautorin der Multimedia-Installation The Neighbours, die auf der Biennale von Venedig präsentiert wurde. Ihre interdisziplinäre Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle von Wissenschaft und Kunst und beschäftigt sich mit Erinnerung, Trauma und den mündlichen Überlieferungen staatlicher Gewalt. Für Unsilencing wurde Topouzova mit dem John D. Bell Memorial Book Prize 2025 ausgezeichnet.

Kate Connolly ist Berlin-Korrespondentin der britischen Tageszeitung The Guardian. Seit 1996 berichtet sie als Auslandskorrespondentin aus zahlreichen europäischen Ländern und schreibt über Politik, Gesellschaft und Kultur in Europa. Im Jahr 2024 besuchte sie gemeinsam mit Topouzova die in Unsilencing dokumentierten Orte und sprach mit Menschen, deren Geschichten im Buch erzählt werden.