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Jochen Klein 

1. Mai – 5. Juli 2026
Eröffnung am Donnerstag, 30. April 2026, 18–22 Uhr

Between Bridges
Adalbertstraße 43
10179 Berlin

Donnerstag bis Sonntag, 13–18 Uhr

Montag–Mittwoch nach Vereinbarung


Erweiterte Öffnungszeiten während des Gallery Weekend Berlin (1.–3. Mai): 11–19 Uhr

Between Bridges freut sich, eine Ausstellung mit Werken des früh verstorbenen Künstlers Jochen Klein (1967 – 1997) ankündigen zu dürfen, die am 30. April 2026 anlässlich des Berlin Gallery Weekend eröffnet. Die Ausstellung ist die erste Einzelpräsentation von Kleins Werk in Berlin. Sie vereint Malerei, Skulpturen, Arbeiten auf Papier sowie kollaborative Arbeiten aus allen Phasen seiner Karriere – von seinen frühesten studentischen Arbeiten in München bis zu den Bildern, die in den letzten Monaten seines Lebens in London entstanden sind.

Jochen Klein wurde 1967 in Giengen an der Brenz geboren und wuchs in München auf, wo er 1989 an der Kunstakademie München in der Klasse des  Malers Hans Baschang studierte, die sich kollektiv mit der Rolle der Malerei in den 1990er Jahren auseinandersetzte.

Zu Kleins frühesten erhaltenen Werken gehören kleine Skulpturen aus der Zeit um 1990: vier fleischfarbene Wachstiere in Mänteln aus Musselin. Sie zeugen von einem prägenden Interesse an der Spannung zwischen Verletzlichkeit und dem Unheimlichen, das einen Großteil seines späteren Werks bestimmen sollte. Seine frühesten Bilder zeigen die leeren Ballsäle und Treppenhäuser bayerischer Königsschlösser – nicht als Huldigung an Glamour und Machtphantasien, sondern als kritische Befragung eben dieser. 

Diese Beschäftigung fand einen expliziteren Ausdruck, als Klein und sein Kommilitone Thomas Eggerer 1993 begannen, sich kritisch mit dem Englischen Garten in München auseinanderzusetzen. Sie erkundeten, wie dieser als Zurschaustellung der ästhetischen Macht des Barocks funktionierte – und wie diese Ordnung durch das nächtliche Cruisen schwulder Männer unterlaufen wurde.

Ihre Teilnahme an der Gruppenausstellung Die Utopie des Designs im Kunstverein München 1994, unter der künstlerischen Leitung von Helmut Draxler, markierte die Entstehung einer gemeinsamen Praxis, die in der aufmerksamen Beobachtung des städtischen Alltags verwurzelt war.

Klein verließ die Kunstakademie 1994 und zog nach New York, wo er gemeinsam mit Eggerer dem konzeptuellen Kunstkollektiv Group Material beitrat. Mit dem Kollektiv realisierte er Ausstellungen zu Gentrifizierung, queerer Politik und der Ästhetik des Kitsches. Die kollaborative Arbeit IKEA von 1996 hatte die Form einer Publikation, die den Katalog des Möbelhändlers nachahmte und fragte, welche Art von Flat-Pack-Leben sich verkaufen lässt – und an wen. Der häusliche Innenraum wird darin, wie der Englische Garten oder ein Barockpalast, als räumliches Argument über ästhetische Machtstrukturen lesbar.

Klein lernte Wolfgang Tillmans Anfang 1995 in New York kennen und zog im Herbst 1996 nach London, wo er zur Malerei zurückkehrte. Für sein Umfeld kam das überraschend: Die Installationen und die kritische Theorie der New Yorker Jahre schienen das Medium längst hinter sich gelassen zu haben. Die Gemälde sind von unerwarteter Aufrichtigkeit und tragen dabei die politischen Fragen jener Jahre in sich. 

Die Londoner Gemälde sind gleichzeitig vertraut und fremd. Ihre Sujets entstammen dem, was Klein als “ästhetisch triviale Quellen” beschrieb: Poster, Werbefotos, Tapeten, Erotikfilme, Familienfotos. Gelegentlich erinnern sie an Werbebilder, aus denen das Produkt entfernt wurde, sodass nur die Erinnerung daran bleibt, dass hier einmal etwas verkauft werden sollte.

Die Figuren in diesen späten Werken sind offen Teil der Landschaft, frei und exponiert – doch diese Offenheit ist politisch: eine Fantasie der Sicherheit, die gepflegte Englische Gärten und IKEA-Interieurs gleichermaßen versprechen und verweigern. Klein verstand, dass das Verlangen nach Schönheit politisch ist, wenn Schönheit etwas ist, das Macht vorenthält. Und dass selbst ein Gemälde, das einem Traum von Unschuld gleicht, das Wissen in sich trägt, dass der Tod auch in der Utopie gegenwärtig ist.

– Felix Petty


Jochen Klein (1967 – 1997) war ein deutscher Künstler. Geboren in Giengen an der Brenz, studierte er als Maler an der Kunstakademie München, bevor er nach New York zog und dem konzeptuellen Kunstkollektiv Group Material beitrat. 1996 kehrte er nach Europa zurück und wandte sich wieder der Malerei zu, bevor er 1997 an einer AIDS-bedingten Lungenentzündung starb.

Kleins Werk war Gegenstand von Einzelausstellungen in der Pinakothek der Moderne, München (2008), Galerie Buchholz, New York (2017), und dem MACRO – Museum of Contemporary Art, Rom (2023). Eine umfangreiche Monografie, herausgegeben von Bernhart Schwenk und Wolfgang Tillmans, wurde 2011 bei Hatje Cantz veröffentlicht.

Die Ausstellung bei Between Bridges läuft vom 1. Mai bis zum 5. Juli 2026.