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A Time in Pieces 

mit Arbeiten und Beiträgen von Boji, Sergey Bratkov, Daria Chernyshova, Minna Henriksson, Nikolay Karabinovych, Dana Kavelina, Roman Khimei und Yarema Malashchuk, Ihor Okuniev, Lesia Vasylchenko und Vova Vorotniov

Ausstellung kuratiert von Serge Klymko und Viktor Neumann

Public Program kuratiert gemeinsam mit Natalie Keppler

24. Mai – 27. Juli 27 2024

Ausstellungseröffnung: 24. Mai, 18 – 21 Uhr, Between Bridges 

Eröffnungs-Performance von Boji: 24. Mai, 22 Uhr, Berliner Künstler*innenprogramms des DAAD in der daadgalerie

Wenn ein historischer Moment auseinanderfällt - in etwas Unvorhergesehenes, etwas Uneinheitliches, etwas Verworrenes - werden wir zu Zeug:innen einer Abspaltung innerhalb des Flusses der Zeit. Die Gegenwart beginnt zu flimmern, sie enthüllt und sprengt die Nähte der Realität. Die Schwere des Augenblicks gewinnt die Oberhand. Die Zeit wird zu einem Fossil, zu einem dauerhaften und hartnäckigen „Jetzt“. 

Während des Zustands der Ausnahme gibt es keine klaren Auswege, um die Schwerkraft des Moments zu überwinden – die Zukunft würde sich nicht nur der Vorstellung von Zeitlichkeit, sondern auch der Zeitlosigkeit widersetzen. In einer solchen desynchronisierten Realität manifestieren sich Ereignisse als Gespenster, deren Existenz auf die Halbwertszeit beschränkt ist, die sie in den Welten der Social-Media-Interfaces führen. Und die Zukunft wird zum Gebet. 

A Time in Pieces wurde anlässlich der Kyiv Perennial entwickelt – der Berliner Ausgabe der 5. Kyiv Biennial, die als gemeinsames, pan-europäisches Projekt auf den Grundlagen des politischen, sozialen und kulturellen Überlebens neu ausgerichtet wurde. Das Projekt ist das jüngste Kapitel einer vielschichtigen Reihe von Ausstellungen und öffentlichen Programmen, die sich mit dem historisch spezifischen Kontext der kulturellen Produktion vor und während der russischen Invasion der Ukraine auseinandersetzen. Die Ausstellung findet gleichzeitig vor dem Hintergrund einer globalen Neuverhandlung von Solidarität und der Atomisierung liberaler Werte statt, in einem Klima der Polarisierung und Radikalisierung, der Abgrenzung und der moralischen Distanzierung.

Mit besonderen Augenmerk auf die zeitgenössische Chronopolitik – die instabile Beziehung zwischen Machtregimen, Zeitkonzepten und sozialer und politischer Vorstellungskraft – kreist A Time in Pieces um ein zeitliches Ökosystem, das von der Erfahrung militärischer Besatzung, Vertreibung und dem Trauma des Krieges geprägt ist. Aus dieser Perspektive untersucht die Ausstellung die regulierte Wahrnehmung von Zeitlichkeit als Mittel und Zweck politischen Handelns. Der Extremzustand der Gegenwart ist alltäglich geworden und wird als Falle, als Sumpf, als Sackgasse empfunden. Die Politik der Zeit, die darauf abzielt, die Zukunft in der Gegenwart zu gestalten - oder zu verhindern, ihr Gestalt zu geben –, ist eng mit der Art und Weise verbunden, wie Wandel wahrgenommen und gehandhabt wird, und im Grunde mit der Frage, ob Wandel überhaupt möglich ist. Die Verweigerung einer auf die Zukunft gerichteten Vorstellungskraft verbindet somit die Chronopolitik mit der Nekropolitik und entscheidet in ähnlicher Weise darüber, welche Leben als würdig oder unwürdig erachtet werden, sich eine Zukunft vorzustellen.

Während A Time in Pieces in einer spezifischen geopolitischen Konstellation verankert ist – wie auch in deren aktuellen humanitären und ökologischen Verwerfungen –, reflektieren viele der präsentierten Arbeiten signifikante historische und transnationale Verbindungen zu den gegenwärtigen Manifestationen der Verwüstung. Andere Arbeiten verwenden Strategien wie forschungsbasierte Vorhersagen, assoziative Beweise oder spekulative Hypothesen, um ein „noch nicht“ zu antizipieren, das die Verwüstungen der Gegenwart als bloße Anfänge, als ersten Akt erscheinen lässt. 

Da Zeit auf dem Spiel steht, strebt A Time in Pieces danach, die Nahtstellen zu materialisieren, die das zerrissene Gewebe der Gegenwart durch Projektionen, die auf dem pulsierenden „Jetzt“ basieren, wieder zusammenfügen. Es ist ein Unterfangen, ein Zeugnis, ein Versuch – außerhalb der Zeit zu sprechen. Ein Versuch, zu früh zu sprechen.

A Time in Pieces ist eine Kollaboration zwischen dem Visual Culture Research Center, Between Bridges und des Berliner Künstler*programms des DAAD, die anlässlich der Kyiv Perennial, der Berliner Edition der 5. Kyiv Biennial, konzipiert wurde. 

A Time in Pieces wird mit großzügiger Unterstützung der IZOLYATSIA Foundation, Trans Europe Halles und Malý Berlin durch das Programm ZMINA: Rebuilding kofinanziert, das von der Europäischen Union im Rahmen einer speziellen Ausschreibung zur Unterstützung ukrainischer Vertriebener und des ukrainischen Kultur- und Kreativsektors gefördert wird.

Mit Unterstützung der Teiger Foundation, des Ministeriums für Kultur und Informationspolitik der Ukraine und des Ukrainischen Instituts in Deutschland.